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Stadtarchiv findet Originalphoto von 1889 zum "Forellenhaus" in HD-Schlierbach - von Arnold Schwaier

Gab es die burgähnliche Anlage "Forellenhaus", die im Buch von Karl Heinz Knörr ("Schlierbach - Geschichte und Geschichten", Heidelberg 1999) abgebildet ist, in Schlierbach wirklich? Dies ist eine Frage, die die Schlierbacher immer wieder bewegt hat. Auch die Ziegelhäuser? Ein Zeitzeuge war nach Karl Heinz Körr der Fährmann Hannes Wolf, der die Überfaht von der Neckarhelle zur Haltestelle "Jägerhaus" (und damals noch zur Schuhfabrik Wilz) betrieben hat. Er soll die Grundmauern des runden Turm bei Niedrigwaser (etwa im Jahr 1923 ?) noch gesehen haben. Zum "Forellenhaus" hatten wir bis vor wenigen Wochen nur die Veröffentlichung von Frau A(da) von Lettow-Vorbeck, die in Neckargemünd gelebt hat. Sie schrieb in ihrem Beitrag "Die alten Schlierbacher Mühlen" (Heidelberger Neueste Nachrichten vom 07.06. 1934) zunächst von der Leitz´schen Mühle am Wolfsbrunnen und am (Schlierbacher) "Heidenloch" im oberen Schlierbachtal und dann zur Mündung des Schlierbachs kommend:

Forellenhaus

"Unterhalb dieser Mühle (Anm.d.V.: der früheren Gießerschen Mühle, die 1934 der Schuhfabrik Wilz Platz gemacht hatte) aber lag das "Forellenhaus". Hier an der Mündung des Schlierbachs in den Neckar, an der Schiffslände (Anm. d.V.: "Lauer"), waren die meisten Häuser des Orts. Ein Peter Bassauer wohnte im 16ten Jahrhundert an der Mündung des Schlierbachs. (Im Jahr) 1600 wird der Wirt, Schultheiß und Fischer Ulrich Vogel genannt, der als Nachbar zwei Mühlen hat. Er führte seine Wirtschaft wohl im jetzigen "Jägerhaus", das auf alten Grundmauern steht (Anm. d.V.: Wahrscheinlich in einem Vorgängerbau)." 

Frau von Lettow-Vorbeck vermerkt zum damals anscheinend bekannten Photo des "Forellenhauses": "Die große Gebäudeanlage macht, auf dem Bild Friedrich IV, einen fast schloßartigen Eindruck. Sie paßt sich dem hinter dem Ufer stark ansteigenden Gelände an. Der höchste Teil mit Barockgiebel war wohl das zum Forellenhaus gehörende Gasthaus (Anm. d.V.: in dem Friedrich IV nach seinem Tagebuch u.a. einen Hecht mit Gästen verspeiste) , dem sich die verschiedenen Fachwerkbauten der Lagerhäuser, Mühlen, Speicher angliederten. Am Neckar wuchs ein hoher Rundturm mit spitzer Dachhaube heraus, dessen Grundmauern noch im Neckar stehen und vor etlichen Jahren bei niedrigem Wasserstand sichtbar waren, wie ein versunkenes Vineta. Man kann sich vorstellen, daß Brände und Zerstörungen gründlich mit den Baulichkeiten aufräumten; auch Eisgänge und Hochwasser griffen zu, schließlich vernichtete der Orleansche Krieg das Ganze. Die Mehlmühlen bestanden weiter, noch 1871 lief eine derselben, wie mir ein alter Fischer erzählte."
Weiterhin berichtet Frau von Lettow-Vorbeck noch 1934 vor dem Abbruch des Mayerschen Anwesens gegenüber dem "Jägerhaus" (Anm. d.V.: zum Zweck der Begradigung der "Schlierbacher Landstraße" ) von einem dort bestehenden Abschlußstein eines Torbogens, der die Jahreszahl "1583 VV" trug (Anm. d.V.: Ulrich Vogel?).

Die Überlieferung zum "Forellenhaus" wurde erhalten u.a. von Reinhard Hoppe, der in seiner Chronik zu Schlierbach das "Forellenhaus" erwähnt. Karl Heinz Knörr hat im Buch "Schlierbach" eine Abbildung des vor einigen Jahren in Schlierbach wieder "aufgetauchten" Photos wiedergegeben. In der neuesten Ausgabe des Buchs von 1999 wurde diese Abbildung von Jürgen Wilz koloriert.

Nach jahrelangen vergeblichen Recherchen des Verfassers dieses Beitrags, mehr und gesicherte Informationen zu dieser burgähnlichen Anlage des "Forellenhauses" zu erhalten, führte eine neuerliche Rückfrage bei Frau Hoppe auf die richtige Fährte. Frau Hoppe hatte vor einigen Jahren dem Stadtarchiv Einzelstücke aus dem Nachlaß ihres Gatten übergeben. Nun wurde in der Bildersammlung des Stadtarchivs das Originalphoto des "Forellenhauses" mit Kommentaren gefunden, das 1889 von Mays "Lichtdruck" genannt wurde. Von Mays stammen die Anmerkungen aus der Gründungszeit der Kurpfälzischen Museums. Mit der Gründung des Stadtarchivs waren diese Unterlagen vom Kurpfälzischen Museum (KMH) dorthin gegeben worden.

Dieser "Lichtdruck" trägt auf der Vorderseite die vermutlich schon auf dem abfotografierten Kupferstich (nicht der Originalzeichnung, die Friedrich IV zugeschrieben wird) angebrachten Vermerke: "Nach einer alten Zeichnung Friedrich IV" und "1809 (Anm. d.V.: 1609?) Forellenhaus in Schlierbach". Auf der Rückseite ist der Vermerk von Mays vom 20.November 1889 (also von vor bald 120 Jahren) angebracht, daß der Kupferstich, von dem der "Lichtdruck" abgenommen wurde, im Besitz des Kaufmanns Louis Werner, dahier, sei. Mays nimmt an, daß der Kupferstich von Christian Barth geschaffen wurde.

Kurz vor 1600 ist Schlierbach - ein früher kurpfälzisches Dorf - in die Stadtgemeinde Heidelberg eingegliedert worden. Für den damaligen (unbekannten) Zeichner wohl ein Anlaß das Forellenhaus - als vermutlich persönlichen Besitz des Kurfürsten - zu dokumentieren. Friedrich IV wird dann die Zeichnung als seinen Besitz gekennzeichnet haben. Ein weiterer Anlaß wird die Dokumentation der Verteidigungsanlagen um die Residenzstadt Heidelberg gewesen sein. Friedrich IV - beziehungsweise seine Regierung - hat auch mit der Gründung der "Festung Friedrichsburg" die Grundlage zur Stadtgründung von Mannheim (1607) in der Zeit des heraufziehenden 30-jährigen Krieges gelegt.

So dürfen wir heute nach der Klärung der Herkunft des bei Knörr abgebildeten Photos - nach Meinung des Verfassers - sicherer sein, daß das "Forellenhaus" einmal tatsächlich bestand. Wir dürfen erwarten, daß heute noch unter den Aufschüttungen zu der Chausse (heute Bundestraße), der Bahnlinie und dem heutigen "Jägerhaus" noch Fundamentreste dieser alten Anlage ruhen. Mauersteine werden sich in den nach den Zerstörungen Schlierbachs wieder aufgebauten Mühlen und Wohngebäude finden. Es ist bedauerlich, daß der von Ada von Lettow Vorbeck erwähnte Schlustein des Torbogens von 1583 nicht erhalten ist.

Wir suchen nun sowohl nach der verschollenen Originalzeichnung, als auch nach dem Kupferstich des "Forellenhauses". Vielleicht hängt wenigsten der Kupferstich noch in einem Wohnzimmer eines Nachfahren von Louis Werner oder Sie - lieber Leser - finden diesen per Zufall.

Arnold Schwaier