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Gab es die burgähnliche Anlage "Forellenhaus",
die im Buch von Karl Heinz Knörr ("Schlierbach - Geschichte
und Geschichten", Heidelberg 1999) abgebildet ist, in Schlierbach
wirklich? Dies ist eine Frage, die die Schlierbacher immer wieder
bewegt hat. Auch die Ziegelhäuser? Ein Zeitzeuge war nach
Karl Heinz Körr der Fährmann Hannes Wolf, der die Überfaht
von der Neckarhelle zur Haltestelle "Jägerhaus"
(und damals noch zur Schuhfabrik Wilz) betrieben hat. Er soll
die Grundmauern des runden Turm bei Niedrigwaser (etwa im Jahr
1923 ?) noch gesehen haben. Zum "Forellenhaus" hatten
wir bis vor wenigen Wochen nur die Veröffentlichung von Frau
A(da) von Lettow-Vorbeck, die in Neckargemünd gelebt hat.
Sie schrieb in ihrem Beitrag "Die alten Schlierbacher Mühlen"
(Heidelberger Neueste Nachrichten vom 07.06. 1934) zunächst
von der Leitz´schen Mühle am Wolfsbrunnen und am (Schlierbacher)
"Heidenloch" im oberen Schlierbachtal und dann zur Mündung
des Schlierbachs kommend:
"Unterhalb dieser Mühle (Anm.d.V.: der früheren
Gießerschen Mühle, die 1934 der Schuhfabrik Wilz Platz
gemacht hatte) aber lag das "Forellenhaus". Hier an
der Mündung des Schlierbachs in den Neckar, an der Schiffslände
(Anm. d.V.: "Lauer"), waren die meisten Häuser
des Orts. Ein Peter Bassauer wohnte im 16ten Jahrhundert an der
Mündung des Schlierbachs. (Im Jahr) 1600 wird der Wirt, Schultheiß
und Fischer Ulrich Vogel genannt, der als Nachbar zwei Mühlen
hat. Er führte seine Wirtschaft wohl im jetzigen "Jägerhaus",
das auf alten Grundmauern steht (Anm. d.V.: Wahrscheinlich in
einem Vorgängerbau)."
Frau von Lettow-Vorbeck vermerkt zum damals anscheinend bekannten
Photo des "Forellenhauses": "Die große Gebäudeanlage
macht, auf dem Bild Friedrich IV, einen fast schloßartigen
Eindruck. Sie paßt sich dem hinter dem Ufer stark ansteigenden
Gelände an. Der höchste Teil mit Barockgiebel war wohl
das zum Forellenhaus gehörende Gasthaus (Anm. d.V.: in dem
Friedrich IV nach seinem Tagebuch u.a. einen Hecht mit Gästen
verspeiste) , dem sich die verschiedenen Fachwerkbauten der Lagerhäuser,
Mühlen, Speicher angliederten. Am Neckar wuchs ein hoher
Rundturm mit spitzer Dachhaube heraus, dessen Grundmauern noch
im Neckar stehen und vor etlichen Jahren bei niedrigem Wasserstand
sichtbar waren, wie ein versunkenes Vineta. Man kann sich vorstellen,
daß Brände und Zerstörungen gründlich mit
den Baulichkeiten aufräumten; auch Eisgänge und Hochwasser
griffen zu, schließlich vernichtete der Orleansche Krieg
das Ganze. Die Mehlmühlen bestanden weiter, noch 1871 lief
eine derselben, wie mir ein alter Fischer erzählte."
Weiterhin berichtet Frau von Lettow-Vorbeck noch 1934 vor dem
Abbruch des Mayerschen Anwesens gegenüber dem "Jägerhaus"
(Anm. d.V.: zum Zweck der Begradigung der "Schlierbacher
Landstraße" ) von einem dort bestehenden Abschlußstein
eines Torbogens, der die Jahreszahl "1583 VV" trug (Anm.
d.V.: Ulrich Vogel?).
Die Überlieferung zum "Forellenhaus" wurde erhalten
u.a. von Reinhard Hoppe, der in seiner Chronik zu Schlierbach
das "Forellenhaus" erwähnt. Karl Heinz Knörr
hat im Buch "Schlierbach" eine Abbildung des vor einigen
Jahren in Schlierbach wieder "aufgetauchten" Photos
wiedergegeben. In der neuesten Ausgabe des Buchs von 1999 wurde
diese Abbildung von Jürgen Wilz koloriert.
Nach jahrelangen vergeblichen Recherchen des Verfassers dieses
Beitrags, mehr und gesicherte Informationen zu dieser burgähnlichen
Anlage des "Forellenhauses" zu erhalten, führte
eine neuerliche Rückfrage bei Frau Hoppe auf die richtige
Fährte. Frau Hoppe hatte vor einigen Jahren dem Stadtarchiv
Einzelstücke aus dem Nachlaß ihres Gatten übergeben.
Nun wurde in der Bildersammlung des Stadtarchivs das Originalphoto
des "Forellenhauses" mit Kommentaren gefunden, das 1889
von Mays "Lichtdruck" genannt wurde. Von Mays stammen
die Anmerkungen aus der Gründungszeit der Kurpfälzischen
Museums. Mit der Gründung des Stadtarchivs waren diese Unterlagen
vom Kurpfälzischen Museum (KMH) dorthin gegeben worden.
Dieser "Lichtdruck" trägt auf der Vorderseite die
vermutlich schon auf dem abfotografierten Kupferstich (nicht der
Originalzeichnung, die Friedrich IV zugeschrieben wird) angebrachten
Vermerke: "Nach einer alten Zeichnung Friedrich IV"
und "1809 (Anm. d.V.: 1609?) Forellenhaus in Schlierbach".
Auf der Rückseite ist der Vermerk von Mays vom 20.November
1889 (also von vor bald 120 Jahren) angebracht, daß der
Kupferstich, von dem der "Lichtdruck" abgenommen wurde,
im Besitz des Kaufmanns Louis Werner, dahier, sei. Mays nimmt
an, daß der Kupferstich von Christian Barth geschaffen wurde.
Kurz vor 1600 ist Schlierbach - ein früher kurpfälzisches
Dorf - in die Stadtgemeinde Heidelberg eingegliedert worden. Für
den damaligen (unbekannten) Zeichner wohl ein Anlaß das
Forellenhaus - als vermutlich persönlichen Besitz des Kurfürsten
- zu dokumentieren. Friedrich IV wird dann die Zeichnung als seinen
Besitz gekennzeichnet haben. Ein weiterer Anlaß wird die
Dokumentation der Verteidigungsanlagen um die Residenzstadt Heidelberg
gewesen sein. Friedrich IV - beziehungsweise seine Regierung -
hat auch mit der Gründung der "Festung Friedrichsburg"
die Grundlage zur Stadtgründung von Mannheim (1607) in der
Zeit des heraufziehenden 30-jährigen Krieges gelegt.
So dürfen wir heute nach der Klärung der Herkunft des
bei Knörr abgebildeten Photos - nach Meinung des Verfassers
- sicherer sein, daß das "Forellenhaus" einmal
tatsächlich bestand. Wir dürfen erwarten, daß
heute noch unter den Aufschüttungen zu der Chausse (heute
Bundestraße), der Bahnlinie und dem heutigen "Jägerhaus"
noch Fundamentreste dieser alten Anlage ruhen. Mauersteine werden
sich in den nach den Zerstörungen Schlierbachs wieder aufgebauten
Mühlen und Wohngebäude finden. Es ist bedauerlich, daß
der von Ada von Lettow Vorbeck erwähnte Schlustein des Torbogens
von 1583 nicht erhalten ist.
Wir suchen nun sowohl nach der verschollenen Originalzeichnung,
als auch nach dem Kupferstich des "Forellenhauses".
Vielleicht hängt wenigsten der Kupferstich noch in einem
Wohnzimmer eines Nachfahren von Louis Werner oder Sie - lieber
Leser - finden diesen per Zufall.
Arnold Schwaier
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