Stadtteilverein
STADTTEILVEREIN Ziegelhausen und Peterstal e.V.
 
Unser Mausbachtal - das Bergwerk von Erich J. Lehn
 

 

 

Viele Einwohner, auch Einheimische, wundern sich, ist ihnen doch unbekannt, dass es im idyllischen Mausbachtal ein Bergwerk geben soll. Natürlich nicht. Aber vor 115 Jahren gab es eines, aus dem sogar Erz gefördert wurde.


Aber eines nach dem andern. Zunächst einmal zum Mausbach. Da früher die Stiftsmühle eine Wassermühle war, zu derem Betrieb nicht der Neckar sondern der "Mühlenbach" diente, wurde aus dem mittelhochdeutschen "Mulspach" merkwürdigerweise eine "Mausbach", wobei doch jedem einleuchtet, dass dieses Gewässer mit Mäusen überhaupt nichts zu tun hat. Außer der Stiftsmühle unterhalb Stift Neuburgs war in dieser Gegend kein Gewerbebetrieb ansässig, wenn man die Kalkgewinnung aus den Lößkindeln beim Haarlass außer acht lässt.
Mitte des 19.Jahrhunderts begann jedoch das Zeitalter der Industrialisierung, und erreichte auch Ziegelhausen, wenn auch auf indirektem Wege. Denn man benötigte auf einmal jede Menge Erz, das allein in den damaligen deutschen Landen nicht zu beschaffen war. Außer Eisen musste auch ein Metall von weit herkommen: aus Afrika, Indien, Brasilien, der Ostküste des Schwarzen Meeres: MANGAN. Bei den damaligen Transportmöglichkeiten eine langwierige und damit teure Angelegenheit. Dieses grauweiße, spröde Metall ist technisch allein nicht verwertbar, aber in Verbindung mit Eisen ergibt es nach der Schmelze einen hochfesten Stahl, der höchsten Anforderungen im Maschinenbau, wie Rostbeständigkeit und Schleißfestigkeit genügte.


Was Wunder, dass man auch in unseren Breiten, vor allem im vorderen Odenwald nach diesem begehrten Erz zu suchen begann. Es war die Firma Röchling, auch heute noch ein großer Konzern der Stahlerzeugenden Industrie, der innerhalb der Zechsteinformation mit einer Fläche von 60 qkm ein Manganerzlager vermutete, das sich auszubeuten lohnen würde.


In alten Urkunden werden außer Heidelberg noch viele Orte genannt, in denen Schürfungen betrieben wurde: Neuenheim, Handschuhsheim , Dossenheim, Schriesheim, Wilhelmsfeld, Heiligkreuzsteinach, Heddesbach, Lützelsachsen, Peterstal, Hinter- u. Vorderheubach, Eiterbach, Hilsenhain, Altneudorf, Brombach, Altenbach, Lampenhain.


Außer diesen Gemeinden wurde der Fa. Röchling auch für Ziegelhausen am 4.12.1890 von Friedrich v.Gottes Gnaden, Großherzog von Baden ein Muthschein verliehen, der sie zum Schürfen berechtigte. Es begann anschließend das Niederbringen von Versuchsschächten innerhalb eines 1.650 ha großen Waldgrundstücks, das vom Russenstein neben dem Hotel Haarlaß nördlich bis zur Hochstraße, die zum Weißen Stein führt, und westlich an die Gemarkung von Handschuhsheim und Dossenheim grenzt.

 


Viele Spaziergänger wandern vom Busparkplatz "Köpfel" den Kuhriegelweg entlang, um auf den Philosophenweg in Richtung Heidelberg zu treffen, ohne zu ahnen, dass oberhalb einer starken Linkskurve, wo der Weg abwärts zum Stift Neuburg führt, der Eingang zum ehemaligen Bergwerk liegt. Im Sommer ist das gemauerte Tor mit dem Schlussstein, der zwei gekreuzte Bergwerkshämmer und die Jahreszahl 1894 aufweist, wegen des wuchernden Gestrüpps kaum zu erkennen. Jetzt jedoch ist es vom Weg aus sichtbar, zumal von den Naturschutzwarten immer wieder ein Zugang freigeschnitten wird.
Nun waren damals, 1890, die ersten Genehmigungen erteilt, und die Suche nach Mangan konnte beginnen. Man nahm Abstand von weiter im Odenwald liegenden Gemeinden und konzentrierte sich um die Gegend von Heidelberg.
Denn nachdem man in Heddesbach einen Stollen von 213 m Länge angelegt und nur ein Erzlager von 6 - 25 cm entdeckt hatte, gab man diesen auf. So begann man oberhalb der Stiftswiesen und auch zum Teil auf Neuenheimer Gemarkung mit Versuchs-Schächten. Links vom Stolleneingang sind im Wald noch erhebliche Vertiefungen zu sehen, die teils auch vom mittlerweile eingestürzten Stollen herrühren.
Während die Gemeinde Ziegelhausen vom Bergbau profitierte, sie erhielt immerhin auf 10 Jahre eine Pacht von 100 RM jährlich, war man bei der Stadt Heidelberg diesem Vorhaben nicht wohlgesinnt.
Man befürchtete Einbußen beim Fremdenverkehr durch Belästigungen der Spaziergänger hauptsächlich auf dem Philosophenweg und Auswirkung auf die Wasserversorgung. Schließlich erhob die Stadt Einspruch beim Ministerium des Innern in Karlsruhe. Leider, so muss man sagen, entschied sich dieses zu Gunsten von Heidelberg - "auch wegen der landschaftlichen Schönheit". So wurde man nur noch auf Gemarkung Ziegelhausen tätig und brachte einen Schacht nieder, der in 20 m Tiefe auf ein Manganerzlager von 60 cm Stärke stieß.
So trieb man zunächst eine Strecke von 70 m Länge vor, die zunächst in Holzbauweise verstrebt wurde. Vor Ort waren damals 8 Männer, die in drei Schichten Tag und Nacht arbeiteten.
1894 wurde oberhalb der Stiftswiesen ein Hauptförderstollen vorgetrieben, der durch Sandseingeschiebe führte und deshalb auf 35 m Länge ausgemauert wurde. Er ist heute noch erhalten und hat eine Breite von 2,80 m und ist 2 m hoch.
Anschließend stieß man auf harten Granit, dem man mit Dynamit zu Leibe rückte, wobei man Hunderte von kg verbrauchte, die in einem separaten Gang unter sicherem Verschluss gehalten wurde. Der Einsatz von Jugendlichen war schon damals verboten und die Sicherheitsvorschriften recht hoch.
Im November 1895 hatte man bereits eine Länge von 362 m erreicht und stieß nach einigen Monaten auf das Erzlager, das dann bis Ende 1896 mit insges.130 t auf eine Länge von 460m abgebaut wurde.
Zum Abtransport des Erzes plante man schon früh eine Bahn über den Büchsenacker zum Neckar, die aber wegen der steilen Hanglage (über den Neuen Weg) sicher nicht realisiert wurde. Auch ein Weg am Stift vorbei zum Neckarufer entlang des Mausbachs wäre zu lang gewesen, um per Eisenbahn den Weitertransport zu gewährleisten, obwohl jenseits am "Jägerhaus" damals eine Haltestation war, jedoch keine Fähre, und mit Nachen die tonnenschwere Fracht über den Neckar zu bringen, wäre bei Hochwasser sowieso unmöglich gewesen.
Leider gibt es hierfür keine Unterlagen , und so bleibt als die vernünftigste Annahme der Transport in Fässern mit Pferdefuhrwerken über den Mausbachhangweg zum Köpfel, den Köpfelweg hinunter zur Peterstaler Straße, und schließlich die Hauptstraße entlang zur Neckarfähre der "Neh" unterhalb des "Ochsen", was einer Strecke von ca. 2 km entspricht. Auf Heidelberger Seite war dann die Bahnstation, von dort ging's nach Völklingen, wo das Erz verhüttet wurde.

Viele Spaziergänger wandern vom Busparkplatz "Köpfel" den Kuhriegelweg entlang, um auf den Philosophenweg in Richtung Heidelberg zu treffen, ohne zu ahnen, dass oberhalb einer starken Linkskurve, wo der Weg abwärts zum Stift Neuburg führt, der Eingang zum ehemaligen Bergwerk liegt. Im Sommer ist das gemauerte Tor mit dem Schlussstein, der zwei gekreuzte Bergwerkshämmer und die Jahreszahl 1894 aufweist, wegen des wuchernden Gestrüpps kaum zu erkennen. Jetzt jedoch ist es vom Weg aus sichtbar, zumal von den Naturschutzwarten immer wieder ein Zugang freigeschnitten wird.
Nun waren damals, 1890, die ersten Genehmigungen erteilt, und die Suche nach Mangan konnte beginnen. Man nahm Abstand von weiter im Odenwald liegenden Gemeinden und konzentrierte sich um die Gegend von Heidelberg.
Denn nachdem man in Heddesbach einen Stollen von 213 m Länge angelegt und nur ein Erzlager von 6 - 25 cm entdeckt hatte, gab man diesen auf. So begann man oberhalb der Stiftswiesen und auch zum Teil auf Neuenheimer Gemarkung mit Versuchs-Schächten. Links vom Stolleneingang sind im Wald noch erhebliche Vertiefungen zu sehen, die teils auch vom mittlerweile eingestürzten Stollen herrühren.
Während die Gemeinde Ziegelhausen vom Bergbau profitierte, sie erhielt immerhin auf 10 Jahre eine Pacht von 100 RM jährlich, war man bei der Stadt Heidelberg diesem Vorhaben nicht wohlgesinnt.
Man befürchtete Einbußen beim Fremdenverkehr durch Belästigungen der Spaziergänger hauptsächlich auf dem Philosophenweg und Auswirkung auf die Wasserversorgung. Schließlich erhob die Stadt Einspruch beim Ministerium des Innern in Karlsruhe. Leider, so muss man sagen, entschied sich dieses zu Gunsten von Heidelberg - "auch wegen der landschaftlichen Schönheit". So wurde man nur noch auf Gemarkung Ziegelhausen tätig und brachte einen Schacht nieder, der in 20 m Tiefe auf ein Manganerzlager von 60 cm Stärke stieß.
So trieb man zunächst eine Strecke von 70 m Länge vor, die zunächst in Holzbauweise verstrebt wurde. Vor Ort waren damals 8 Männer, die in drei Schichten Tag und Nacht arbeiteten.
1894 wurde oberhalb der Stiftswiesen ein Hauptförderstollen vorgetrieben, der durch Sandseingeschiebe führte und deshalb auf 35 m Länge ausgemauert wurde. Er ist heute noch erhalten und hat eine Breite von 2,80 m und ist 2 m hoch.
Anschließend stieß man auf harten Granit, dem man mit Dynamit zu Leibe rückte, wobei man Hunderte von kg verbrauchte, die in einem separaten Gang unter sicherem Verschluss gehalten wurde. Der Einsatz von Jugendlichen war schon damals verboten und die Sicherheitsvorschriften recht hoch.
Im November 1895 hatte man bereits eine Länge von 362 m erreicht und stieß nach einigen Monaten auf das Erzlager, das dann bis Ende 1896 mit insges.130 t auf eine Länge von 460m abgebaut wurde.
Zum Abtransport des Erzes plante man schon früh eine Bahn über den Büchsenacker zum Neckar, die aber wegen der steilen Hanglage (über den Neuen Weg) sicher nicht realisiert wurde. Auch ein Weg am Stift vorbei zum Neckarufer entlang des Mausbachs wäre zu lang gewesen, um per Eisenbahn den Weitertransport zu gewährleisten, obwohl jenseits am "Jägerhaus" damals eine Haltestation war, jedoch keine Fähre, und mit Nachen die tonnenschwere Fracht über den Neckar zu bringen, wäre bei Hochwasser sowieso unmöglich gewesen.
Leider gibt es hierfür keine Unterlagen , und so bleibt als die vernünftigste Annahme der Transport in Fässern mit Pferdefuhrwerken über den Mausbachhangweg zum Köpfel, den Köpfelweg hinunter zur Peterstaler Straße, und schließlich die Hauptstraße entlang zur Neckarfähre der "Neh" unterhalb des "Ochsen", was einer Strecke von ca. 2 km entspricht. Auf Heidelberger Seite war dann die Bahnstation, von dort ging's nach Völklingen, wo das Erz verhüttet wurde.

 

Spaziergänger waren vor 100 Jahren genauso wie heute im Bereich des Philosophenweges und vom Hotel Haarlass kommend, im Wald unterwegs.
Die Stadt Heidelberg befürchtete deshalb durch die Abfuhrwege weiterhin Einbußen ihres Fremdenverkehrs und - damals schon - Einwirkungen auf die Qualität des Trinkwassers, das hauptsächlich aus den Quellen des Haarlass und mittleren Guckkastenweges bezogen wurde. Dieser dauernden Beschwerden wurde die Firma Röchling deshalb überdrüssig, zumal die Abbauergebnisse nicht befriedigten.
Nach Niederbringen eines weiteren Versuchsschachtes mit immerhin 70 m Tiefe, der keine starken Erzlager anzeigte, wurden die Arbeiten am 1.7.1897 eingestellt. Am 1.9.1913 wurde deshalb auch das Pachtverhältnis mit der Gemeinde Ziegelhausen gekündigt. Anscheinend war damit das Ende des Bergbaus in Ziegelhausen besiegelt.
Aber da gibt es einen Befahrungsbericht des Großherz.Bergmeisters vom 20.11.1918, dass der Betrieb nach dem 1.Weltkrieg doch wieder aufgenommen wurde. Aus dem Schreiben und weiteren geht hervor, dass bis dahin 277 t Erz nach Völklingen versandt wurde und auf der Halde noch immerhin 100 t lagerten.
Die Kosten des Transports sind auch genannt und zwar 0,20 Reichsmark pro Zentner und Völklingen bezahlte 2.- RM pro Einheit. Allerdings verlangte die Hütte 12%tiges Erz, während aus der Grube Ziegelhausen nur 7,6%tiges gefördert wurde. Die Analysen ergaben hierzu 12 % Eisen, 44 % Silizium und um die 30 % Wasser!
Ein weiterer Schacht mit 20 m Tiefe in der Mausbachwiese auf 20 m westlicher Strecke ergab ebenfalls nur Mangan mit kleinen 10-15 cm nicht zusammenhängenden Lagern. Es lohnte sich damals nicht mehr. Weiterhin war auch die Stadt Heidelberg nicht untätig und intervenierte ständig. Auch das Forstamt schaltete sich ein und verwies auf Bodensenkungen im Unteren Mausbachweg. Also wurde 1919 der Abbau eingestellt, die Schächte verfüllt und das Bergwerkseigentum 1925 vom Finanzministerium aufgehoben.
Man glaubt nun, das wäre das Ende, aber vor dem Beginn des 2.Weltkrieges, 1936, war natürlich die Nachfrage nach Stahl erheblich gestiegen. Jetzt witterte das Bezirksamt Heidelberg die günstige Gelegenheit, auch am Wirtschaftsboom teilzuhaben und richtete eine Anfrage an das Badische Bergamt Karlsruhe. Doch das Ergebnis fiel negativ aus und auch die Fa. Röchling zeigte kein Interesse mehr, da das Erz wegen des nassen und hohen Siliziumsgehalts für den Hochofen-Prozess denkbar ungeeignet sei. Nicht nur die schwierige Transportfrage, sondern auch die minderwertige Qualität gab hier den Ausschlag.
So ruht der Stollen nach 90 Jahren in einem Dornröschenschlaf, der vielleicht doch eines Tages durch vermehrte Nachfrage nach Mangan gedeckt werden könnte, zumal die heutigen technischen Möglichkeiten der Förderung und Schmelze denen vor 100 Jahren doch deutlich überlegen sind.

 

Doch sind Bestrebungen im Gange, nach Beseitigung des Wildwuchses und Öffnen der Mauer, zumindest den vorderen, gut ausgemauerten Stollen teilweise, nach Genehmigung durch das Oberbergamt Freiburg, unter bestimmten Auflagen zugänglich zu machen. Auch wäre auf einer Hinweistafel den Interessierten die Geschichte des Bergwerks näher zu bringen.
Eine Sitzgruppe, wie bisher mit dem Forstamt besprochen, könnte dieses schöne Fleckchen Erde unterhalb der Mausbachwiese aufwerten. Links vom Stolleneingang findet der geologisch Interessierte im Wald noch metertiefe Absenkungen, die von den Versuchsschächten, aber auch vom eingesunkenen holzverstrebten Stollen herrühren könnten. Mit einem Wünschelrutengänger wird deshalb demnächst der genaue Verlauf des über 400 m langen Stollens festgestellt. Über die Ergebnisse, auch über die Quellen des Mausbachtals wird an dieser Stelle demnächst berichtet. Bis dahin leben noch bisher ungestört die einzigen dort in einem Biotop hausenden Lebewesen: Salamander, Frösche und Molche.
Der ausführliche Bericht über das Bergwerk befindet sich übrigens im Heimat-Bild-Kalender "Unser Land", dessen 25.Ausgabe gerade im Buchhandel erschienen ist, und viele Beiträge hiesiger Autoren aufweist. Es kann gerade als kleines Präsent zur Weihnachtszeit wärmstens empfohlen werden. (Die Autoren schreiben ehrenamtlich).
Erich J.Lehn
Naturschutzwart

 

 

 

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